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Assistenzhunde und wie sie Leben retten können

Assistenzhunde und wie sie Leben retten können Martina Osmy Assistenzhunde und wie sie Leben retten können

Assistenzhunde – ein nüchternes Wort, das doch so viel bedeutet. Diese Hunde sind Helfer bei vielen alltäglichen Dingen, Seelentröster, sie sind immer zur Stelle wenn sie gebraucht werden, sie sind Therapeuten auf 4 Pfoten. Sie machen für die betroffenen Menschen mit Handicap das Leben wieder lebenswert. So auch Abayomi. Seien Sie gespannt auf die Geschichte die Frauchen Ina uns zu erzählen hat. Das sie überhaupt wieder etwas zu erzählen hat, verdankt sie einzig und allein Abayomi.

Assistenzhunde und wie sie Leben retten können

Abayomi & Co: Therapeuten auf 4 Pfoten - Therapiehund Abayomi: Eine ganz besondere Geschichte

Jahrelang sprach sie kein einziges Wort, eingeschlossen in eine Welt, die keinen Bezug zum Außen hatte und sich dem Außen auch nicht öffnen konnte. Therapieansätze und Medikationen blieben so erfolglos wie zahlreich. Bis ein Arzt vor elf Jahren auf die Idee kam, es mit einem Hund zu versuchen.

Ina Wilhelm ist 35 Jahre alt. Sie leidet am Asperger-Syndrom, einer tiefgreifenden Entwicklungsstörung innerhalb des Autismusspektrums. Betroffenen fällt es u. a. schwer, in der Kommunikation mit anderen Menschen nonverbale Signale zu erkennen und zu verstehen bzw. solche auch selbst auszusenden. Das Kontakt- und Kommunikationsverhalten von Asperger-Autisten erscheint Außenstehenden daher oft „merkwürdig“ und ungeschickt, obwohl die meisten Betroffenen über normale Intelligenz verfügen. Manche sind sogar insel- oder hochbegabt wie die bekannte Nutztier-Expertin Dr. Temple Grandin, deren Lebensgeschichte sogar verfilmt wurde.

„Als Abayomi in mein Leben kam, vollzog sich ein kaum vorstellbarer Wandel“, sagt Ina Wilhelm über ihre Erinnerungen an damals. „Seit der Hund an meiner Seite ist, bin ich fähig, zu sprechen. Ich bin in der Lage, selbstständig zum Arzt zu gehen. In Stresssituationen, die bei mir sehr oft auftreten und mit starken Schmerzen verbunden sind, hat man festgestellt, dass mein Cortisolwert und mein Blutdruck sinken, wenn Abayomi bei mir ist.“ Ina Wilhelms hilfreiche 24-Stunden-Begleiterin auf vier Pfoten hat es ihr ermöglicht, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Die junge Frau singt im Chor, bewältigt es, unter Menschen zu sein und sich im Straßenverkehr zurecht zu finden. Herausforderungen, an denen viele Autismus-Betroffene im Alltag scheitern. „Nicht zuletzt kann ich mich zu Hause auch dann wohlfühlen, wenn ich Schmerzen habe. Abayomi beruhigt und tröstet mich. Sie urteilt nicht wie so viele Menschen, die mich lange diskriminiert haben, wenn ich anders lernte als sie. Abayomi stört sich nicht an den Fehlern, die ich mache – weder gestern, noch heute oder morgen. Sie ist einfach im Hier und Jetzt da: Mit ihr kann ich lachen, weinen und das Leben teilen. Abayomi macht mich stark.“

Besondere Hunde für besondere Menschen

Die soziale Unterstützung, die Ina Wilhelm durch Abayomi erfährt, ist beispielhaft für die Wirkung sogenannter Assistenzhunde. Solche Vierbeiner stehen Menschen mit den unterschiedlichsten Beeinträchtigungen zur Seite. Die bekanntesten ihrer Zunft sind wahrscheinlich die Blindenführhunde und die Behindertenbegleithunde. Signalhunde, die etwa Diabetes-Patienten Unterzuckerung oder Epileptikern einen bevorstehenden Anfall anzeigen, gehören ebenfalls dazu. Die Fähigkeit, soziale Unterstützung zu leisten, ist eine der Kernkompetenzen, die Assistenzhunde auszeichnet. Dennoch zeigen sich ihre Aufgaben noch weitaus vielfältiger. Und spezifischer.

Abayomi

Dies gilt auch für Abayomi. Sie ist keineswegs einfach nur „da“. Sie ist in der Lage, Cortisolschwankungen in Ina Wilhelms Blut wahrzunehmen und ihr Unterzuckerung anzuzeigen. Sie achtet darauf, dass ihr Frauchen in der Stadt auf der von der Straße abgewandten Seite geht, dass sie nicht zu schnell läuft und insbesondere nicht einfach auf die Straße ohne nach links und rechts zu schauen. „Das passiert sehr oft als Folge von Reizüberflutung“, so Ina Wilhelm. „Abayomi ist der in sich ruhende, außerordentlich sensible Filter, den ich brauche, um nicht hoffnungslos in all den Eindrücken um mich herum verloren zu gehen.“

Neu: Ausbildung zum Assistenzhundetrainer an der ATN

Assistenzhunde auszubilden ist eine hohe Kunst. Auch wenn es bisweilen so anmuten mag, genügt es nicht, einem Hund diverse kleine Kunststückchen beizubringen wie Socken ausziehen, Dinge aufheben und apportieren, Türen öffnen oder ähnliches. Im Einzelfall mag dergleichen hilfreich sein, wenn ein Hund damit tatsächlich bestehende Beeinträchtigungen seines Menschen ausgleichen kann. „Weitaus wichtiger ist jedoch, eine echte Inklusion des Betroffenen in die Ausbildung seines Hundes zu realisieren und den individuellen Hund für die spezifischen Bedürfnisse dieses einen Menschen auszubilden“, betont Dr. Anna-Sophie Müller, Inhaberin der Hypo-Hundeschule. Die 47-Jährige hat den neuen Lehrgang zum Assistenzhundetrainer der Akademie für Tiernaturheilkunde (ATN) konzipiert und inhaltlich mit Leben gefüllt. „Inklusion ist politisch und gesellschaftlich hoch priorisiert, aber die Umsetzung in den Alltag der Betroffenen gestaltet sich oft sehr mühsam. Sie erleben viel Ausgrenzung, obwohl sie vielfach über erstaunliche Fähigkeiten verfügen.“ Aus ihrer Sicht, so Müller, sei es sehr diskriminierend, den Betroffenen Selbstausbildungsfähigkeiten abzusprechen, ohne sich genau angeschaut zu haben, was im Einzelfall möglich wäre. „Da ein Assistenzhund (auch) Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen soll, muss ein Assistenzhundetrainer auch die Teilhabe an der Ausbildung des eigenen Assistenzhundes ermöglichen. Der Lehrgang an der ATN zeigt auf, wie das zu realisieren ist.“

Ein guter Assistenzhundetrainer bildet also nicht „nur“ einen Hund aus. Er lehrt vielmehr Menschen mit unterschiedlichsten Beeinträchtigungen, für sich selbst den ideal passenden vierbeinigen Helfer zu trainieren. Welches Ideal in der Ausbildung erreicht werden soll, was der Hund am Ende können soll, definieren damit allein die Bedürfnisse eines einzelnen, ganz besonderen Menschen. Dieser ist Auftraggeber, der Trainer dessen Dienstleister. „Deshalb halten wir es für zwingend erforderlich, in der Ausbildung von Assistenzhundetrainern u.a. auch detaillierte pädagogische Kenntnisse zu vermitteln, die sich auch auf das Unterrichten und Anleiten von Menschen mit Beeinträchtigungen beziehen“, sagt Diplom-Biologe Joachim Leidhold, Leiter der Kynologischen Abteilung an der ATN. „Ziel ist, den Betroffenen in seiner eigenen Trainingskompetenz so selbstständig wie nur möglich zu machen.“ Wisse der Besitzer eines Assistenzhundes selbst, wie er seinem Hund etwas beibringen kann, warum der Hund wie reagiert, wie erwünschtes Verhalten gefördert und unerwünschtes gelöscht werden kann, besitze er selbst die Kenntnisse über artgerechte Hundehaltung und -pflege, wirke sich das prägend auf die gesamte Mensch-Hund-Beziehung aus. „Im Grunde ist es sogar essenziell für den therapeutischen Erfolg des Einsatzes eines Assistenzhundes.“

Arbeit mit Mensch und Tier

Einzige Zugangsvoraussetzung zum Lehrgang des ATN-Assistenzhundetrainers ist eine abgeschlossene ATN-Hundetrainer-Ausbildung mit bestandener theoretischer und praktischer Prüfung. „Erforderlich ist außerdem das ehrliche Interesse, wie beschrieben mit Menschen mit Beeinträchtigung zu arbeiten. Der Fokus liegt nicht nur auf der Arbeit mit dem Hund, sondern in ganz erheblichem Maß auch auf der Zusammenarbeit mit Menschen“, betont Joachim Leidhold. Ein hohes Maß an Sozialkompetenz und Kommunikationsfähigkeit, kynologisches Wissen und Trainerkompetenz seien unabdingbar. „Letztlich vermittelt die Ausbildung auch tiefere Kenntnisse zu den unterschiedlichen Krankheitsbildern, die Menschen mit Handicaps mitbringen können, einschließlich Notfallrettungsmaßnahmen falls während der gemeinsamen Arbeit ein kritischer Zustand auftritt.“ Starten wird der Lehrgang Anfang Dezember 2013.

Abayomi ist mittlerweile übrigens fast 12 Jahre alt. Eigentlich sollte sie bald in einen wohlverdienten Ruhestand gehen. Ina Wilhelm ist deshalb auf der Suche nach einem Nachfolger. Ein Problem gibt es dennoch: Die Ausbildung eines Assistenzhundes ist aufwändig und kann und darf daher kein Ehrenamt sein. Bislang übernehmen die Krankenkassen jedoch nur die Kosten für Blindenführhunde. Ina Wilhelm hat deshalb eine Petition gestartet: „An meine Krankenkasse: Ohne meinen Autismus-Begleithund kann ich nicht leben!“. Sie können sie hier unterstützen.

In Bezug auf Abayomi hatte Ina Wilhelm Glück gehabt. Einzelne Menschen hatten für sie gespendet. Abayomi mildert ähnlich wie ein Blindenführhund bei einem sehbeeinträchtigten Menschen die Auswirkungen der Behinderung im gesamten täglichen Leben. Wer allein mit der Hilfe eines Hundes sein Leben meistern kann, muss diesen auch als „Hilfsmittel” anerkannt und finanziert bekommen. Nicht zuletzt ist ein Hund sehr viel billiger, gesünder und schonender als Krankenhausaufenthalte, Medikamente und eine ganze Reihe an Therapieformen, die auch Ina Wilhelm über sich ergehen lassen musste.

Helfen Sie mit!

Die Selbsthilfevereine, Hypo-Hund e.V. und Lichtblicke e.V., rufen zu einer Spendenaktion auf, um Menschen mit Beeinträchtigungen einen Assistenzhund als medizinisches Hilfsmittel zu ermöglichen. Ina und viele andere können nicht jahrelang warten. Gemeinsam greifen wir zur Selbsthilfe und bitten um eine Spende auf das extra für diesen Zweck eingerichtete Spendenkonto:

Empfänger: Hypo-Hund e.V.

Bank: Nord-Ostsee-Sparkasse

BLZ: 217 500 00

Kto.-Nr.: 16 44 54 589

Verwendungszweck: Abayomi

Auf Wunsch kann auch eine Spendenquittung ausgestellt werden. Weitere Informationen zum Lehrgang ATN-Assistenzhundetrainer finden Sie hier.

Dieser Artikel wurde bereitgestellt von Judtih Böhnke.

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