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Katzen: Fellfarbe entscheidet über Aggressionspotenzial

Katzen: Fellfarbe entscheidet über Aggressionspotenzial farbkombinat, DollarPhotoClub Katzen: Fellfarbe entscheidet über Aggressionspotenzial

Gescheckte Katzen sind aggressiver – Headlines wie diese machen aktuell die Runde im englischen Sprachraum. Grund dafür ist eine Studie, mit der Wissenschaftler der University of California eine mögliche Verbindung zwischen Fellfarbe und aggressivem Verhalten bei Hauskatzen untersucht haben. Am aggressivsten sollen demnach weibliche Katzen mit „roten Haaren“ sowie solche mit schwarz-weißem und grau-weißem Fell sein. Wie sind diese Ergebnisse einzustufen?

Sind Schecken die "Hexen" unter den Katzen?

Eines zur Beruhigung vorweg: Die festgestellten Verhaltensunterschiede zwischen den Tieren verschiedener Fellfarben waren gering, und auch insgesamt machten die betrachteten Stubentiger mit sehr wenig „aggressiven Übergriffen“ auf sich aufmerksam. Zudem sind die erhobenen Daten sehr subjektiv, denn sie wurden mithilfe eines Internet-Fragebogens gesammelt, in welchem Katzenhalter anhand von Bewertungsskalen beurteilten, wie häufig und in welchen Situationen ihre Tiere aggressive Verhaltensweisen gegenüber Menschen und anderen Katzen zeigten. Ausgewertet wurden am Ende knapp 1.300 Fragebögen, die nahezu gleich viele Kater und Katzen betrafen, junge wie alte, reine Hausbewohner wie Freigänger. Allerdings hatten sich weit überwiegend weibliche Katzenhalter dem Fragebogen gewidmet. Nur wenig über 100 waren von Männern ausgefüllt worden.

Fellfarbe ist Begleiterscheinung der Domestikation

Der Schluss, dass die Fellfarbe über das Aggressionspotenzial eines Tieres entscheidet, ist im Angesicht der Studienergebnisse schnell bei der Hand. Ganz so einfach ist es jedoch nicht. Denn Fellfarben bei Haustieren, die es bei der jeweiligen Wildform nicht gibt, sind keine Ursachen für irgendetwas, sondern eine Begleiterscheinung der Domestikation. In Bezug auf Weiß-Schecken lässt sich das am Beispiel des Silberfuchs-Zuchtprogrammes von Dimitri Konstantinowitsch Beljajew gut nachvollziehen. Beljajew selektierte in den 1950er Jahren Silberfüchse auf Zahmheit, um die Tiere in der Pelztierzucht leichter händelbar zu machen. „Zahmheit“ war Beljajews einziges Zuchtziel, und sein Projekt ein Erfolg auf ganzer Linie – wenn man davon absieht, dass sich seine „Zuchtprodukte“ auch äußerlich so stark veränderten, dass sie mit dem „echten“ Silberfuchs nicht mehr viel gemein hatten. So wiesen die zahmen Füchse beispielsweise oft Schlappohren und/oder geringelte Schwänze auf und auffallend häufig ein (weiß-)geschecktes Fell. Diese Scheckung basiert auf einem Pigmentverlust – von Bedeutung ist deshalb nicht die Fellfarbe an sich, sondern die Haut, auf der das weiße Fell wächst. Ein Pigmentverlust liegt nur vor, wenn die Haut unter dem weißen Fell „rosa“, also vollkommen ohne Pigment ist. Daneben kennt Pigmentverlust viele weitere Erscheinungsformen mit unterschiedlichen genetischen Ursachen.

Weiß-Schecken: Die verborgene Seite von Pigmentverlust

Pigmentverlust und (Weiß-)Scheckung hat nicht nur eine sprichwörtlich „hübsche“ Seite. Tiere mit überwiegend unpigmentierter Haut sind tendenziell häufiger von gesundheitlichen Problemen betroffen, insbesondere Augenproblemen und Taubheit. Sehr deutlich wird das bei Tieren, die komplett weiß und mit gänzlich unpigmentierter Haut geboren werden, Dalmatiner etwa. Die „Tupfen“ erscheinen im Verlauf vieler Wochen erst nach der Geburt. Nur wenige Dalmatiner werden mit einem „Patch“ („Fleck“) oder einem „Monokel“ (Fleck rund um ein Auge) geboren. Im Schnitt sind 30 Prozent der komplett weiß geborenen Dalmatiner ein- oder beidseitig taub, unter den Dalmatinern mit Patch oder Monokel trifft das nur noch auf rund 11 Prozent zu.

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Dieser Artikel wurde bereitgestellt von Judith Böhnke.

Judith Böhnke

Judith Böhnke, ist ATN-Absolventin mit Spezialisierung auf Hund und Katze sowie VDTT-Vorstandsmitglied und Mitarbeiterin der ATN. Besonders wichtig ist ihr ein achtsamer, gewaltfreier Umgang sowohl mit den Tieren als auch den Tierhaltern. In ihrer Arbeit folgt Judith Böhnke dem Prinzip der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg, welches sie auch auf die Mensch-Tier-Beziehung anwendet. Im Kosmos-Verlag ist 2013 ihr Buch "Mit Hunden gewaltfrei kommunizieren" erschienen, 2014 folgte ebenfalls bei Kosmos "Cocker Spaniel - Auswahl, Haltung, Erziehung, Beschäftigung".

Webseite: www.mensch-tier-akademie.de
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