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Sommervergnügen: Mit Bello am Rad

Sommervergnügen: Mit Bello am Rad Conny Hagen Sommervergnügen: Mit Bello am Rad

Sobald das Wetter schöner wird, lockt es aktive Menschen nach draußen – gerne auch mit dem guten alten Drahtesel. Mancher zögert jedoch, auch seinen Hund zur Radtour mitzunehmen. Dabei tun Abwechslung und die dynamische Art der Bewegung beim Fahrrad fahren Menschen wie Hunden gleichermaßen gut. Zudem lassen sich neue Wege auskundschaften, ohne erst mit dem Auto hinfahren zu müssen. Neue Eindrücke stärken das Selbstbewusstsein des Hundes und lasten ihn auch mental viel mehr aus als die ritualisierten „Pinkelwiesenrunden“.

Sommervergnügen: Mit Bello am Rad

Sobald das Wetter schöner wird, lockt es aktive Menschen nach draußen – gerne auch mit dem guten alten Drahtesel. Mancher zögert jedoch, auch seinen Hund zur Radtour mitzunehmen. Dabei tun Abwechslung und die dynamische Art der Bewegung beim Fahrradfahren Menschen wie Hunden gleichermaßen gut. Zudem lassen sich neue Wege auskundschaften, ohne erst mit dem Auto hinfahren zu müssen. Neue Eindrücke stärken das Selbstbewusstsein des Hundes und lasten ihn auch mental viel mehr aus als die ritualisierten „Pinkelwiesenrunden“. Abgesehen davon ist der Trab das für den Hund gesündeste Bewegungsmuster: Alle Muskeln werden zugleich beansprucht und die Gelenke entlastet. Den meisten Hunden macht das Laufen am Fahrrad deshalb auch Spaß.

Radfahren birgt für Mensch wie Hund viele Vorteile:

  • für den Hund ist leichter Trab die ideale Gangart,
  • kleine Speckpolster schwinden schneller,
  • die Muskulatur wird ganzheitlich aufgebaut und gestärkt,
  • es lässt sich viel Zeit sparen (eine halbe Stunde Fahrradfahren = 1 Stunde spazieren gehen),
  • es bleibt mehr Zeit für Beschäftigungsspiele (gerade auch unterwegs),
  • kleinere Einkäufe können unterwegs erledigt werden (Fahrradtasche),
  • Mensch und Hund genießen abwechslungsreiche Erlebnisse auf den Fahrradtouren.

Wichtig: Im Straßenverkehr ist es ausdrücklich erlaubt, Hunde am Rad zu führen. Natürlich gelten auch hier Regeln, die beachtet werden sollten.

Die Gewöhnung an das Fahrrad

Man kann einen Hund an das Objekt Fahrrad schon relativ früh, etwa ab dem 10. bis 12. Lebensmonat heranführen. Bello sollte vorerst jedoch unbedingt nur neben dem Fahrrad gehen. Deshalb: Keinesfalls aufsteigen und losfahren, sondern erst einmal eine ganze Weile schieben!

Zunächst muss der Hund lernen, an der rechten Seite des Fahrrads zu gehen, denn laut Straßenverkehrsordnung darf ein Hund nur auf der der Straße abgewandten Seite geführt werden. Als Signal empfiehlt sich beispielsweise ein einfaches „ran“. Das „Fuß“ sollte dem Gehen „per Pedes“ vorbehalten bleiben, auch und gerade, wenn der Hund dabei konsequent links geführt wird oder wurde. Eine stabile Leinenführigkeit des Hundes (Hund geht an lockeren Leine dicht am Bein des HF) ist eine hervorragende Basis, auf der das Fahrradtraining aufbauen kann. Ist ein Hund noch gar nicht fähig, ruhig an lockerer Leine zu gehen, muss das geübt werden, ehe es ans Fahrrad geht. Als weitere wichtige Signale sind „ links“ und „ rechts“ später insbesondere beim Abbiegen sehr nützlich. Besteht doch gerade in diesen Situationen bei ungeübten Hunden die Gefahr, in das Vorderrad zu laufen. Daneben können auch „stopp“ und „langsam“ schon in der Grunderziehung des Hundes aufgebaut werden.

Die Signale aufbauen

Alle Signalwörter können jederzeit und auch ohne Fahrrad aufgebaut werden – auch schon mit Welpen. So lernt der Hund die Signalbedeutung noch bevor er überhaupt an das Fahrradfahren herangeführt wird. Das stärkt seine Selbstsicherheit und das Vertrauen in seinen Besitzer. Konditionierung mittels positiver Bestärkung ist beim Training die Methode der Wahl. Wie immer im Hundetraining gilt: geduldig sein und immer wiederholen! Ebenfalls wichtig: Laufen Sie mit dem Hund nicht nur gerade aus, sondern wechseln Sie öfter die Richtung und laufen Sie auch mal im Kreis. Seien Sie dabei sanft und vermeiden Sie jedes Rucken an Halsband oder Brustgeschirr.

Das „stopp“ Signal (Bild 1) kann vom Hund jedes Mal, wenn Sie anhalten (oder im vorbereitenden Training stehenbleiben), geübt werden. Ich persönlich bevorzuge die Stoppvariante im Stehen. Das ständige Stoppen des Hundes mit Sitz finde ich etwas übertrieben und fürs Fahrradfahren nicht immer geeignet. Eine Alternative zum Wort „stopp“ kann hier z.B. auch „steh“ sein.

Die Signale „links“ und „ rechts“ lernt der Hund am besten im Alltag, auf allen Spazierrunden, mit oder ohne Fahrrad. Eine immer wieder benutzte Ansage „rechts“, wenn man mit dem Hund nach rechts abbiegt und „links“, wenn man links abbiegt, bringt langfristig eine erfolgreiche Ritualisierung mit sich. Das Gleiche gilt für „langsam“. Ich baue sie so auf, dass es für den Hund akustisch noch verständlicher wird, indem ich das Wort „Langsam“ in die Länge ziehe: „Laaaaanngssam“.

Zum Einüben der Signale kann natürlich auch ein Clicker eingesetzt werden. Er erleichtert und beschleunigt den Lernprozess enorm. Alle Signale konditioniert man am besten, während der Hund an der Leine geführt wird. Erst wenn er zuverlässig reagiert, sollte das Fahrrad hinzugenommen werden.

Das am Rad Laufen aufbauen

Ganz klar, gern würden wir uns bei schönem Wetter sofort aufs Fahrrad schwingen und Bello mitnehmen! Investieren Sie dennoch lieber etwas Zeit in das Vorbereitungstraining. Führen Sie den Hund behutsam und langsam an die neue Disziplin ran. Die erste Begegnung mit dem Fahrrad wird nicht von jedem Hund mit Begeisterung aufgenommen. Manche Hunde fürchten sich zunächst. Das Erkennen Sie daran, dass Bello beispielsweise die Ohren eng am Kopf anlegt, ausweicht oder das Fahrrad anbellt. Helfen Sie dem Hund, indem Sie selbst ruhig und gelassen bleiben, das Fahrrad ausgiebig in Augenschein nehmen und den Hund für entspanntes Verhalten loben und belohnen – gerne auch mit besonders tollen Leckerchen. Locken sie den Hund dennoch nicht ans Fahrrad heran, sondern lassen Sie ihn selbst die Entfernung bestimmen. Sie können auch das Fahrrad abstellen und mit dem Hund in unmittelbarer Nähe spielen und schmusen. Verhält sich Ihr Hund neutral, kann die Distanz nach und nach verringert werden. Dehnen Sie die „Erstbegegnungen“ eines ängstlichen oder unsicheren Hundes mit dem Fahrrad ruhig über mehrere Tage aus. Verlangen Sie anschließend nicht mehr als ein paar Meter des Gehens am Fahrrad.

Wenn Ihr Hund geräuschempfindlich ist, kann es sein, dass er sich auch vor der Klingel erschreckt. Nehmen Sie in diesem Fall einen Helfer hinzu, der die Klingel betätigt. So können Sie mit Ihrem Hund aus der Distanz ein Desensibilisierungstraining absolvieren. Wiederum kann ein Clicker hier wertvolle Dienste leisten.

Im nächsten Schritt lassen wir etwas mehr Dynamik zu: Schieben Sie das Rad, das sich jetzt zwischen Ihnen und dem Hund befinden darf, nicht mehr nur langsam, sondern ein klein wenig schneller. Wenn sich der Hund sehr weit vom Rad entfernt, bleiben Sie mit einem „stopp“ immer wieder stehen und werfen Leckerchen in die Nähe des Fahrrades, sodass der Hund zum Rad kommt. Trainieren Sie in sehr kleinen Schritten, 1 bis 2 Mal täglich für 3 bis 5 Minuten genügt völlig. Längere Einheiten können vor allem sensible und junge Hunde überfordern. Halten Sie immer Wasser zum Trinken bereit, lassen Sie den Hund nach jeder Trainingseinheit ein bisschen schnüffeln und enden Sie immer mit einem Erfolg für den Hund. Beenden Sie eine Trainingseinheit lieber zu früh als mit einem Misserfolg.

Können Sie das Fahrrad geschwind schieben und bleibt der Hund zuverlässig an dessen Seite, dürfen Sie das erste Mal aufsteigen. Die Leine sollten Sie dabei so halten, dass Sie die in Notsituationen jederzeit loslassen können, ohne mit dem ganzen Fahrrad umzufallen. Deshalb keine Flexileinen benutzen! Beginnen sie mit 3 bis 5 Minuten Fahrzeit. Pro Trainingstag können Sie die Fahrzeit minutenweise steigern.

Jetzt geht es los!

Sind Sie bei 10 Minuten sicherem, entspanntem Fahrradfahren angekommen, können Sie die Dauer der der einzelnen Tour von Woche zur Woche um je 5 bis 10 Minuten steigern. So kann Bello Kondition aufbauen und wird optimal auf längere Touren vorbereitet. Achten Sie darauf, dass auch das Tempo zwischendurch abwechslungsreich ist. Fahren Sie langsam los, sodass sich die Muskulatur des Hundes erwärmen kann, machen Sie nach 5 Minuten gern eine kurze Pause, lassen Sie Bello dann eine Minute schnell traben und fahren Sie dann wieder langsam etc.

Wichtig ist, nicht gerade in der größten Mittagshitze eine Fahrradtour zu starten. Besser geeignet sind die frühen Morgen- oder Abendstunden. Auch das ausschließliche Laufen auf hartem Boden (Asphalt kann auch sehr heiß werden!), tut keinem Hund gut. Die Pfoten des Hundes können dann sehr leiden! Immer Verschnaufpausen einplanen, zum Pieseln, Häufchen absetzen, Schnüffeln und Erkunden!

Für Radtouren muss ein Hund ausgewachsen sein: Seine erste kleinere Tour sollte er frühestens im Alter von einem Jahr bewältigen. Große und schwere Rassen sollten mindestens anderthalb Jahre alt sein!

Auch bei den Senioren unter den Hunden sollte die Vernunft entscheiden, ob Fahrrad fahren zu einer Bereicherung oder einer Strapaze gerät. Es gilt, den Bewegungsbedarf des jeweiligen Hundes gut zu beobachten: Wird er langsamer, bleibt öfter zurück, hechelt er schon nach kurzer Zeit stark, ist eher davon abzuraten, den Hund am Fahrrad laufen zu lassen. Auch kranke Hunde sollten keinen Radsport betreiben.

Wie bereits erwähnt, ist die ideale Gangart für den Hund der Trab. Den hält er über längere Distanzen durch, weil es für ihn tatsächlich die energiesparendste Art der Bewegung ist. Beim Traben werden jeweils zwei diagonal zueinander stehende Beine gleichzeitig gesetzt. Der Hund läuft dabei leicht schräg zur Laufrichtung. Diese zugleich eleganteste und die Gelenke schonende Gangart bringt die meisten Hunde auf 9 bis 24 km/h. Gesunde, ausgewachsene Hunde, guter Kondition können kurze Abschnitte auch im Galopp zurücklegen. Beim Galopp werden die Hinterbeine “springend” zwischen die Vorderbeine gesetzt, der Rücken wird stark gekrümmt und zeitweise sind alle Beine gleichzeitig in der Luft. Das Laufbild wechselt praktisch dauernd zwischen “Kugel” (Rücken extrem gekrümmt, Hinterbeine zwischen den Vorderbeinen) und “Strich” (alle Beine in der Luft, Hund ganz gesteckt). Dabei wird eine sehr hohe Geschwindigkeit erreicht. Der langsame Galopp wird (bei mittelgroßen Hunden) mit 25 bis 29 km/h und der schnelle mit 30 bis 35 km/h gelaufen. Spitzengeschwindigkeiten von über 40 km/h sind zwar möglich, aber nicht empfehlenswert.

Wichtig: Achten Sie darauf, dass zwischen der letzten Mahlzeit und dem Beginn einer Fahrradtour mindestens eine Stunde Pause liegt. Noch besser ist es, den Hund erst nach einer Tour zu füttern.

Die Ausstattung / Ausrüstung

Fahrrad fahren mit Bello braucht nicht nur Know-how und Vorbereitung, sondern auch ein geeignetes Equipment. Unverzichtbar sind:

  • Ein verkehrssicheres (!) Fahrrad,
  • Leine (je nach Größe des Hundes 1, 5 bis 2 Meter)
  • Brustgeschirr (keinesfalls ein Halsband!)
  • Trinkwasser

Neben einem stabilen und verkehrssicheren Fahrrad benötigt man lediglich eine gewöhnliche Leine, an der der Hund geführt wird. Ich rate zu einem gut sitzenden Brustgeschirr, das nicht scheuert (nur eine Handbreite sollte zwischen Geschirr und dem Hundekörper passen) und unter dem das Tier nicht schwitzt (z.B. Feltmann, Y-Geschirr oder anny-x). Von den schweren, gepolsterten K9-Geschirren ist nach meiner Erfahrung eher abzuraten. Am Halsband sollte ein „Fahrrad-Hund“ niemals geführt werden. Denn sollte doch einmal ein abruptes Abbremsen notwendig sein, geht der Ruck beim Halsband auf die empfindliche Kehlkopfstelle (Luftröhre). Bei der Verwendung eines Brustgeschirrs verteilt sich der „Ruck“ gleichmäßig über den gesamten Körper des Hundes. Die Leine sollte außerdem nicht um den Lenker oder die Hand gewickelt werden, sonst liegt man in ganz brenzligen Situationen samt Fahrrad und Hund schnell auf der Nase. Natürlich sollte auch an die üblichen Sicherheitsvorkehrungen (Helm) und die Beachtung der STVO gedacht werden.

Sonstige Ausstattungen/Hilfen

Der Handel bietet eine ganze Reihe weiterer sinnvoller Ausstattungen für Fahrrad begeisterte Hunde und ihre Besitzer an. Darunter beispielsweise:

  • den “Springer“, einen Abstandshalter zum Führen eines Hundes am Fahrrad (Alternativ zur Führungsleine),
  • Hundewagen, einen Fahrradanhänger für Hunde von 10 – 40 kg und
  • Körbchen für kleine Hunde (< 10 kg)

Bei großen Hunden kann ein „Springer“ oder „Abstandhalter-Aufbau“ am Rad sinnvoll sein. Achten Sie darauf, dass er gut verarbeitet ist. Fragen Sie ruhig einen Hundetrainer oder Hundefreunde, die lange Erfahrung mit dem Hunde-Radsport haben, nach ihrer Erfahrungen mit Herstellern und Produkten. Schlecht verarbeitete Hilfsartikel sind gefährlich, denn sie bergen häufig Verletzungsrisiken durch scharfe Kanten, sind unzuverlässig (brechen nach kurzer Zeit ab) und können so jede Fahrradtour ganz schnell zunichte machen. Für längere Touren sollte an der Anschaffung eines Transport-Korbes (für kleine Hunde unter 10 kg) oder eines Hundewagens (mittlere bis große Hunde max. 40 kg) gedacht werden. Wenn Bello müde wird, kann er einfach weiter im Anhänger reisen. Eine gute Gewöhnung ist aber auch hier von großer Bedeutung!

Auch beim Fahrradfahren ist zu beachten: Übertreibung führt nicht unbedingt zur mehr Auslastung. Da ist eher weniger mehr! Am besten folgt man dem guten alten Sprichwort „Wenn es am schönsten ist, aufhören“. Angemessen ist, zweimal bis dreimal in der Woche mit dem Hund Fahrrad zu fahren. So kann sich seine Muskelstruktur zwischenzeitlich erholen, und es ist auch genug Zeit für andere Betätigungen vorhanden. Eine zu häufige oder ausschließliche Bewegung am Fahrrad führt dazu, dass Sie irgendwann einen „vierbeinigen Athleten“ an ihrer Seite haben (mit entsprechend starkem Muskelaufbau), der, kaum zu Hause angekommen, noch mehr Beschäftigung oder Bewegung einfordert. Das ausschließliche Laufen am Fahrrad ersetzt also in keinster Weise die mentale Auslastung des Hundes!

Fazit: Ein gesunder Mix aus Bewegung + Beschäftigung + Gehorsamtraining + Ruhe + gemeinsam verbrachte Kontaktzeit (Streicheln, Schmusen, Körperpflege) lastet einen Hund langfristig und ganzheitlich aus und trägt nicht zuletzt maßgeblich zu einer harmonischen und stabilen Mensch-Hund Beziehung bei!

Dieser Artikel wurde bereitgestellt von Dorothea Gawohl.

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