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Tetanus-Impfintervalle beim Pferd: Impfen wir zu viel?

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Tetanus-Impfung ist tierärztliche Routine. Der Grundimmunisierung im Fohlen- und Jungpferdealter folgen im Normalfall regelmäßige Auffrisch-Impfungen im Jahres-, Zwei- oder Dreijahresrhythmus. Die Empfehlungen für Nachimpfungen differieren erheblich von Impfstoff zu Impfstoff, von Land zu Land. Wie lange besteht ein Impfschutz denn nun wirklich? Die neueste Studie zum Thema legt ein Überdenken der bisherigen Impfgewohnheiten nahe: Vermutlich impfen wir viel zu häufig. Dabei birgt jede Impfung immer auch ein Risiko.

Tetanus - warum impfen wir überhaupt?

Für eine Tetanus-Erkrankung sind Pferde – wie der Mensch – besonders empfänglich. Betroffene Tiere sind ein Fall für Klinik und Intensiv-Medizin, und die meisten überleben die Erkrankung nicht. Auslöser ist der Tetanus-Erreger Clostridium tetani. Ein allgegenwärtiges Bakterium im Boden. Gelangen seine Sporen über eine Wunde in den Körper, bildet es dort Giftstoffe, die Tetanustoxine: Das Krämpfe auslösende Tetanospasmin und das Herz schädigende Tetanolysin. Tetanospasmin ist nach dem Botulinustoxin das zweitgiftigste Bakteriengift überhaupt. Das Nervengift verursacht die typischen Krämpfe, die dem Wundstarrkrampf seinen Namen gaben. Am Ende kommt es dadurch zum Atemstillstand.

Für die Entfaltung seiner Toxizität ist Clostridium tetani auf ein anaerobes (sauerstoffarmes) Milieu angewiesen. Kaum sichtbare Wunden, die sich ruckzuck wieder verschließen, sind bei Pferden häufig und ideale Eintrittspforten für den Übeltäter. Aber auch alle anderen Wunden, bei denen es zu absterbendem Gewebe und Luftabschluss kommt, bieten Clostridium tetani gute Bedingungen.

Tetanus-Immunstatus ist feststellbar

Eine Tetanus-Impfung bietet einen sehr sicheren Schutz. Für den Menschen empfiehlt die WHO nach erfolgter Grundimmunisierung eine regelmäßige Wiederaufftrischung der Immunität alle zehn Jahre. Das ist ein Richtwert. In Reaktion auf neuere Untersuchungen verlängerte die Schweiz 2012 das Intervall für Erwachsene zwischen 25 und 64 Jahren sogar auf 20 Jahre und nur im Risikofall, also bei verdächtigen Verletzungen, wird die Nachimpfung nach 10 Jahren empfohlen. Mit dem Hinweis, dass auch nach 20 Jahren der Titer ausreichend ist. Medizinisch wird das sehr klar begründet. Auch wann und warum Ausnahmen vorgesehen sind.

Ob ein Pferd noch ausreichend geschützt ist, lässt sich testen, denn im Blut vorhandene Tetanus-Antiköper sind im Labor nachweisbar. Diese als Tetanus-spezifischer IgG-Titer oder Impftiter bezeichnete Immunkompetenz gegen Tetanus liegt nach Human-Empfehlung der WHO bei einem IgG-Nachweis von 0,01 IE/ml Blut, ein Wert, der auf Untersuchungsergebnissen an Meerschweinchen basiert. Die Abkürzung IE steht in der Medizin für „internationale Einheit“, ein internationales Maßsystem, in dem für jeden Stoff eine individuelle Einheit von der WHO festgelegt ist.

Impfempfehlungen variieren

Bei Pferden geben die Hersteller der Impfstoffe zehnfach höhere Grenzwerte an. Ohne nachgewiesenen Grund. Je nach verwendetem Impfstoff gilt in Deutschland nach erfolgter Grundimmunisierung im Fohlenalter ein Tetanus-Impfintervall von ein bis drei Jahren. Die derzeitige Impfleitlinie der Ständigen Impfkommission (StIKoVet) vom September 2013 empfiehlt ein Intervall von zwei Jahren. Internationale Vergleiche sind schwierig, da sich Impf- und Trägerstoffe unterscheiden. Untersuchungen zum wirkungsvollen Impftiter sind kaum miteinander vergleichbar und nicht standardisiert. Aber in einem früheren Versuch entwickelte ein Pferd selbst bei einem Serum IgG von 0,0025 IE/ml nach subkutaner Injektion der dreifachen tödlichen Dosis der Tetanustoxine keine Symptome einer Erkrankung. Eine Schweizer Studie mit provozierten Infektionen an Pferden kam zu analogen Ergebnissen.

Name

Impfstoff, Hersteller, Nachimpfung*

Nebenwirkungen *
Duvaxyn IE-T Plus T+I, Lilly Deutschland GmbH, jährlich Schwellung bis 5 cm Durchmesser an der Impfstelle, Abklingen nach 4 Tagen. Selten Schmerz und lokale Hyperthermie (Erwärmung). Leichtes Fieber mögl. (max. 1,5 Grad) bis max. zwei Tage. Am Tag nach der Impfung ausnahmsw. Apathie und Appetitlosigk.,ausnahmsw.allergische Reaktion mögl., die sachgerechter symptomatischer Behandl. bedarf.  (Übersetzung aus dem Englischen) 
Duvaxyn Te T, Lilly Deutschland GmbH, jährlich Gelegentlich lokale Reaktionen , Abklingen normalerw. innerhalb 1 Woche . Geringes Fieber (höchstens 1,5 Grad C) über 1-2 Tage mögl. Beim Auftreten allergischer Reaktionen sollte Adrenalin und/oder ein kurzwirksames Glukocorticoid angewendet werden.
Equilis Prequenza Te T + I, Intervet International BV, jährlich Diffuse Schwellung (max. 5 cm Durchmesser) an der Injektionstelle mögl., Rückbildung innerhalb von 2 Tagen. In sehr seltenen Fällen Lokalreaktion mögl., die größer als 5 cm ausfällt und möglicherweise länger als 2 Tage anhält. Selten Schmerzen an der Injektionsstelle mögl.,evtl. m. vorübergehenden funktionalen Beschwerden (Steifheit). Sehr selten Fieber, evtl.verbunden mit Teilnahmslos. und Appetitlos., das einen Tag, in Ausnahmefällen bis zu drei Tagen anhält.
Equilis Te T, Intervet International BV, Erste Auffrisch-Impfung. n.spät. 17 Monaten, danach spät.alle 24 Monate  Diffuse Schwellung (max. 5 cm Durchmesser) an der Injektionstelle mögl., Rückbildung innerhalb von 2 Tagen. In sehr seltenen Fällen Lokalreaktion mögl., die größer als 5 cm ausfällt und möglicherweise länger als 2 Tage anhält. Selten Schmerzen an der Injektionsstelle mögl.,evtl. m. vorübergehenden funktionalen Beschwerden (Steifheit). Sehr selten Fieber, evtl.verbunden mit Teilnahmslos. und Appetitlos., das einen Tag, in Ausnahmefällen bis zu drei Tagen anhält.
Equip T T, Zoetis Deutschland GmbH, alle 3 Jahre Gelegentlich Uberempfindlichkeitsreaktionen.Eine allergische oder anaphylaktische Reaktion sollte sofort durch i.v.-Gabe eines löslichen Glucocorticoids (z. B. Betamethason-Natriumphosphat) oder durch intramuskulare Verabreichung von Adrenalin behandelt werden.Bei einem Teil der Tiere kann es - meist 9 - 12 Stunden nach der Impfung - zu einem leichten vorübergehenden Temperaturanstieg (bis zu 1,5 °C) und gering gradigen lokalen Schwellungen (bis zu 3 cm) an der Injektionsstelle kommen, die in der Regel nach 24 Stunden wieder zurückgehen.
ProteqFlu-Te T+I, Merial, Frankreich, alle 2 Jahre Evtl. kurzzeitige Schwellung an der Injektionsstelle (maximaler Durchmesser 5 cm), die innerhalb von vier Tagen abklingt (aus dem Datenblatt der www.ema.eu)

Tabelle: In Deutschland verwendete Einzel-und Kombinationsimpfstoffe gegen Tetanus  

T: Tetanus      T+I: Tetanus/Influenza Kombination     * gemäß Herstellerangaben

Tetanus-Impftiter bei Pferden zu hoch angesetzt?

Mit 0,1 IE /ml wird bei Pferden ein gegenüber dem Menschen zehnfach erhöhter schützender Impftiter angegeben. In einer Stellungnahme der StIKoVet vom 7.3.2016 heißt es dazu: „Die Autoren (Anm.: der Stellungnahme) definieren einen Antikörpertiter von 0.1 IE/ml als schützend, obwohl die Empfehlungen der WHO beim Menschen bereits einen Titer von 0,01 IE/ml als ausreichend erachten.“ Eine medizinische Begründung dafür fehlt.

Jede Impfung birgt ein Risiko. Zwar gilt die Tetanusimpfung als gut verträglich. Dennoch kann es Komplikationen geben. So geschehen bei einem Patienten der Autorin. Der Wallach entwickelte nach der routinemäßigen Tetanus-Impfung (selbstverständlich durch einen Tierarzt, Tierheilpraktiker dürfen nicht impfen) einen enormen Impfabszess im Brustmuskel, fieberte und ging über Wochen hochgradig lahm. Er war so schwer krank, dass anfangs sogar eine Impferkrankung nicht ausgeschlossen wurde. Das kann passieren, wenn die für die Impfung verwendeten Erreger nicht ausreichend inaktiviert wurden und die Krankheit auslösen, gegen die sie eigentlich immunisieren sollen. Eine Verdachtsdiagnose, die sich in diesem Fall glücklicherweise nicht bestätigte.

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Dieser Artikel wurde bereitgestellt von Patricia Lösche.

Patricia Lösche

Patricia Lösche ist freie Autorin, Text- und Bild-Journalistin. Der Dolmetscher-Ausbildung folgten Biologie- und Journalistik-Studium, freier und redaktioneller Journalismus für verschiedene große Verlage. Später dann die Ausbildung zur Tierheilpraktikerin an der ATM und die Tierpsychologie-Ausbildung an der ATN. Empathie, Achtung und Verständnis auf Augenhöhe im Umgang mit Tieren sind Patricia Lösche ein besonderes Anliegen. In die Wissensvermittlung als Fachjournalistin und als freie Mitarbeiterin der ATM und ATN fließen mehrjährige Praxis-Erfahrungen aus der naturheilkundlichen Behandlung von Pferden, Hunden und Katzen ebenso ein, wie die jahrzehntelange Erfahrung eigener Tierhaltung. Sie ist Mitglied im Fachverband niedergelassener Tierheilpraktiker (FNT) und im Berufsverband der Tierverhaltensberater und –trainer (VdTT).

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