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Fohlen richtig absetzen

Es ist wieder so weit: Mit Ende der Weidesaison trennen sich die Wege von Stuten und ihren Fohlen. Eine schwere Zeit für die Youngster. Vor allem das traditionell abrupte Absetzen ist ein traumatisches Ereignis für die Jungtiere. Schwierigkeiten und Verhaltensstörungen bei Reitpferden haben hier häufig ihren Ursprung. Vermeiden lässt sich die Trennung nicht, doch Stress und Folgen lassen sich erheblich reduzieren, wenn ethologische Erkenntnisse berücksichtigt werden.

Absetzen - so macht es die Natur

In freier Wildbahn führt nur der Tod der Mutterstute zu einer derart plötzlichen Trennung, und ohne den Schutz der Mutter hat ein Fohlen im ersten Lebensjahr kaum Überlebenschancen. Das instinktive Wissen darum macht das Absetzen auch für unseren Hauspferde-Nachwuchs zur Zitterpartie. Die Frage, wie groß die Belastung ist, ob und wie der Stress reduziert werden kann, ist Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen.

Natürlicher Weise werden Fohlen mit Muttermilch versorgt, bis im Folgejahr das nächste geboren wird. Es können auch schon mal zwei Jahre sein, wenn die Stute nicht wieder tragend wurde oder ihr diesjähriges Fohlen verloren hat. Gar nicht so selten kommt es vor, dass Zweijährige sogar zusammen mit dem diesjährigen Geschwister noch hin und wieder die mütterliche Milchquelle aufsuchen. Von der Geburt bis zur Entwöhnung nimmt die Saugleistung des Fohlens kontinuierlich ab, Mutter und Kind können sich langsam umstellen: Die Stute drosselt sukzessive ihre Milchleistung, die Verdauung des Fohlens stellt sich zunehmend auf die Verwertung der im Vergleich zur Muttermilch weniger gehaltvollen Pflanzennahrung ein. Gleichzeitig vergrößert sich die Selbständigkeit der Jungtiere bis zur endgültigen Ablösung, was - wie gesagt - im Normalfall um den Geburtstermin des nächsten Geschwisters stattfindet. Während Junghengste mit der Geschlechtsreife meist vertrieben werden, bleiben Stuten für lange Zeit, oft lebenslang im Familienverband.

Fight or Flight

In der Hauspferde-Zucht wird auf das natürliche Procedere des Entwöhnens wenig Rücksicht genommen. Oft gilt sogar die Maxime: Je plötzlicher, um so besser. Zudem gilt als Geburtstermin der Einfachheit halber für alle Fohlen der 1.1. eines jeden Jahres. Pech für die Spätgeborenen. Ein im Juni oder Juli geborenes Fohlen kommt dadurch viele Wochen weniger in den Genuss mütterlicher Fürsorge und Milch, denn manche sind zum Zeitpunkt des Absetzens erst drei oder vier Monate alt.

Der frühe und abrupte Mutterverlust durch das unnatürliche Absetzen versetzt den kindlichen Organismus zunächst in eine angstbetonte „Fight-or-Flight“-Bereitschaft: Der Körper rüstet sich für den lebensbedrohlichen Ernstfall. Unter dem Einfluss des Stressors Angst drosselt er die Versorgung aller nicht für Flucht oder Verteidigung notwendigen Organe und konzentriert sich auf diejenigen, die dafür dringend benötigt werden. Magen und Darm arbeiten in dieser Zeit auf Sparflamme, das Immunsystem wird heruntergefahren, kognitive Prozesse im Gehirn sind blockiert. Zeitgleich werden die Energiereserven freigesetzt, eine schnell erschöpfte Resource bei Fohlen. Die frei werdende Energie steht jetzt vor allem der Körpermuskulatur und dem Herz-Kreislauf-System zur Verfügung. Jeder von uns kennt das: Wenn wir Angst haben, sind wir stärker und flinker, der Puls schnellt in die Höhe und klar denken geht nicht mehr. Alle Kräfte konzentrieren sich auf die bestmögliche Selbstverteidigung oder auf die Vorbereitung zur Flucht. Darin sind sich alle Säugetiere weitgehend einig.

Dafür ist das Stresshormon Cortisol verantwortlich. Es wird immer dann vermehrt ausgeschüttet, wenn es brenzlig wird. Unter seinem Einfluss wird der Energiestrom umgeleitet in die verteidigungsrelevanten Organe und Strukturen des Körpers. Immunsystem und Verdauung verlieren an Bedeutung, wenn es aktuell um das reine Überleben geht.

Folgen der Angst nach dem Absetzen

Besteht die Situation fort, wie es bei den Absetzern der Fall ist, macht dieser bei einer akuten Bedrohung so sinnvolle Mechanismus potentiell krank. Wer züchtet, kennt das: Bis zu zwei Tage rufen die Fohlen verzweifelt nach der Mutter und laufen ruhelos umher, ein Indiz für den enormen Stress der jungen Pferde. Der erhöhten Alarmbereitschaft folgt Teilnahmslosigkeit bis hin zur Apathie. Die Kleinen fressen kaum und magern stark ab. Durch die geringe Nahrungsmenge und reduzierte Durchblutung des Darms ist die Verdauung oft erheblich gestört. Die verschreckten Pferdekinder bekommen Durchfall, wegen des stressbedingt schwächelnden Immunsystems steigt die Infektanfälligkeit und das Risiko schwerer, zuweilen sogar tödlich verlaufender Erkrankungen. Diese Zeit des Absetzens ist sehr kritisch. Erst nach etwa zwei Wochen finden sich die Kleinen mit der Situation ab, bei den Jüngsten unter ihnen dauert es manchmal auch länger.

Das Leben als Jungtier ist ohnehin nicht einfach. Schon vor dem Absetzen leiden erschreckend viele Fohlen unter Erkrankungen der Magenschleimhaut. Rund die Hälfte waren es in einer 2009 durchgeführten Untersuchung der Veterinärmedizinischen Hochschule Hannover. Zwei Wochen nach dem Absetzen hatten Zahl und Schwere der Erkrankungen jedoch noch einmal erheblich zugenommen.

Absetzen kann krank machen

Eine plötzliche Umstellung der Nahrung erhöht bei Pferden grundsätzlich die Gefahr einer Kolik, weil die Darmflora Zeit benötigt, um sich der neuen Nahrungszusammensetzung anzupassen. Die durch die Stress-Situation herabgesetzte Funktion des Verdauungsapparates erhöht das Risiko zusätzlich. Bleibt die Nahrung zu lange unverdaut im Magen-Darm-Trakt, kann es zu gefährlichen, mitunter lebensbedrohlichen Aufgasungen (Gaskolik) kommen.

Erhöhter Energiebedarf durch die erhebliche Unruhe in den ersten zwei Tagen, gleichzeitig Appetit- und Durstlosigkeit bis hin zur Nahrungsverweigerung und die Schieflage in der Nahrungsverwertung lässt Fohlen nach dem Absetzen schnell abmagern. Es kommt vorübergehend zu einer Minderversorgung des im Wachstum befindlichen Organismus. Auch hier trifft es die Jüngsten am härtesten, denn in den ersten Monaten ist das prozentuale Wachstum am höchsten.

Traumatisches Angsterleben verändert außerdem das Gehirn und schafft dort Negativ-Filter für künftige Situationen, die lebenslang nachwirken können. Rabiate Absetzmethoden werden diskutiert als Ursprung von Stressanfälligkeit, erhöhter Schreckhaftigkeit, Verhaltensstörungen wie Koppen und Weben oder Boxenlaufen, Kleben am Stall, Angst- und Aggressionsstörungen erwachsener Pferde. Spätgeborene sind bei der Trennung gerade mal vier Monate alt. Für ein gesundes Wachstum und intaktes Seelenleben sind sie in diesem Alter noch auf Schutz und Milch der Stute angewiesen. Entsprechend können sie besonders leicht durch das Absetzen traumatisiert werden.

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Dieser Artikel wurde bereitgestellt von Patricia Lösche.

Doping bei Pferden: Auch Naturheilmittel sind verboten

Doping ist verboten, auch im Pferdesport. Wer an Turnieren teilnimmt, darf die Leistung seines Pferdes nicht unerlaubt steigern. Auf der Verbotsliste stehen aber nicht nur chemische Medikamente. Auch Globuli, Kräuter und Salben mit natürlichen Wirkstoffen fallen unter die Doping-Richtilinien der FN.

Pferdeweide: Bäume und Sträucher für Pferde

Warum Gehölze auf der Pferdeweide sinnvoll sind, haben wir im ersten Teil des Artikels beschrieben. Hier verraten wir jetzt, welche Pflanzen sich dafür eignen. Denn wer die passenden Bäume und Sträucher entlang von Pferdekoppeln oder Stallanlagen und Reitplätzen pflanzt, der braucht sich um eine gesunde Nahrungsergänzung weniger Gedanken machen. Knospen, Blätter und Blüten, Zweige, Rinde und Früchte tun dem Pferd gut und machen Ernährung kurzweiliger und vielseitiger. Wer keinen eigenen Stall, aber einen Garten hat, kann statt reiner Ziergehölze auch pferdetaugliche Pflanzen setzen und als Mitbringsel zum Reiten mitnehmen. Oder bei einem Spaziergang den einen oder anderen leckeren Zweig ernten, wenn er die Pflanzen kennt, die Pferde fressen dürfen.

Der Hufmechanismus und seine Bedeutung

Unter dem Hufmechanismus versteht man die Verformung des starren Gebildes Huf. Wie es dazu kommt und was das für die Pferdegesundheit bedeutet, erfahren Sie vom Autor Hardy Keller, Physio- und Chirotherapeut für Klein- und Großtiere. Über den Hufmechanismus wurde bereits viel geschrieben und veröffentlicht. Auch sorgt das Thema immer wieder für (zum Teil hitzige) Diskussionen innerhalb der Berufsgruppen Hufbearbeiter und Tiermediziner bzw. Therapeuten.

Was ist der Hufmechanismus?

Unter Hufmechanismus ist, vereinfacht beschrieben, die Verformung des augenscheinlich starren Gebildes Huf zu verstehen. Diese Verformung findet bei jedem Auf- und Abfußen jedes Equiden statt.

Ich werde in diesem Beitrag aufzeigen, wie flexibel die scheinbar starre Hufkapsel in Wirklichkeit ist.

Was genau verformt sich am Huf?

Durch die erhöhte Druckbelastung beim Auffußen wird die vordere, obere Zehenwand nach hinten-unten gedrückt. Sowohl der untere Teil der Zehenwand als auch der Tragrand der Zehe bewegen sich – entgegen der Meinung mancher – nicht. An der weitesten Stelle findet ebenfalls keine Bewegung statt. Die Bereiche der Trachtenwände erweitern sich jedoch vom Kronrand ausgehend – also am Kronrand stärker, in Richtung Tragrand verringernd.

Die Sohle wird nur im Bereich ihres tiefsten Punktes geringfügig flacher. Die Veränderung wird geringer in Richtung des Tragrands, bis am Übergang zur „weißen Linie“ schließlich gar keine Bewegung mehr stattfindet.

Der Strahl erhält durch diese Abflachung bestenfalls Bodenkontakt bzw. bewegt sich zumindest in Richtung Boden.

Die Ballen senken und weiten sich ebenfalls.

Früher ist man davon ausgegangen, dass durch den Gegendruck zum Boden diese Bewegungen ausgelöst werden. Richtigerweise stammen sie aber aus dem Aufhängungssystem „Hufbeinträger“ (der Verbindung des Hufbeins mit der Hornkapsel über eine lammellenförmigen Struktur). Hierdurch wird die von oben kommende Druckkraft in eine Zugkraft umgewandelt.

Verringert sich die Druckbelastung beim Abfußen, verengt sich der Huf wieder, d.h. die Ballen nähern sich einander an. Das Blut wird wieder in den Kreislauf gedrückt („gepumpt“).

Sinn oder Unsinn „Hufpumpe“?

Beim Auffußen wird das Gefäßsystem weitgestellt und es entsteht ein Effekt, der vergleichbar mit einer Saugpumpe ist. Das bedeutet, es wird vermehrt Blut in den Huf einströmen.

Die Elastizität ist für die Stoßdämpfung bzw. Stoßbrechung enorm wichtig und unterstützt somit auch Gelenke, Sehnen und Bänder bei ihren Aufgaben, schützt sie aber auch.

Durch den Bodenkontakt des Strahls erhält das Nervensystem über entsprechende Nervenendigungen Rückmeldung über die Beschaffenheit des Bodens.

Insbesondere bei einer erhöhten Belastung kann der Hufmechanismus den gesamten Kreislauf positiv unterstützen. Aus meiner Sicht aber ist die Theorie der „Blutpumpe Huf“ bzw. die Theorie der „vier zusätzlichen Herzen“ ein wenig übertrieben, wenn man bedenkt, dass bei diesem Vorgang „nur“ ca. die Hälfte eines Schnapsglases Blut bewegt wird.

Dennoch fördert der Mechanismus unbestritten die Durchblutung der Huflederhaut massiv; Schlack- und Giftstoffe werden aus dem Huf abtransportiert. Eine gute Durchblutung der Huflederhaut ist wiederum die Grundvoraussetzung für ein gesundes Hornwachstum und beeinflusst die Qualität des gebildeten Horns maßgeblich.

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Dieser Artikel wurde bereitgestellt von Hardy Keller.

Pferdezahnbehandlung: Auf den Zahn gefühlt

Die Pferdezahnbehandlung hat eine lange Tradition und reicht bis in das 12. Jahrhundert zurück. In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde die Thematik schon ausführlich an den Universitäten durch Prof. Becker doziert. Wir verraten Ihnen, warum nach dem 2. Weltkrieg die Zahnbehandlung beim Pferd in Deutschland an Aufmerksamkeit verloren hat und weshalb es notwendig geworden ist, die Equine Dentistry weiterzuentwickeln.

Reiten lernen als Erwachsener

Sie tragen Namen wie Black Beauty, Fury, Mr. Ed, Jolly Jumper oder Kleiner Onkel. Und auf ihrem Rücken liegt, einem Sprichwort nach, alles Glück der Erde. Na wissen Sie von wem hier die Rede ist? Richtig, es geht um Pferde. Wer als Kind oder Teenager die Begeisterung für diese Vierbeiner nicht teilen konnte, tut dies vielleicht im Erwachsenenalter. Und für das Reiten lernen ist es (so gut wie) nie zu spät. Viele Reiterhöfe bieten inzwischen sogar Reitstunden für erwachsene Reitanfänger an. Da es dennoch einiges an Vorbereitungen braucht, um dann sicher auf einem Pferd über grüne Wiesen zu reiten, hat Judith Böhnke die wichtigsten Punkte für Sie zusammengefasst.

Haltergemeinschaften gründen und erfolgreich führen

Viele Pferdeliebhaber träumen davon ein eigenes Pferd zu besitzen, leider ist dies oftmals nicht möglich. Eine Haltergemeinschaft könnte den Traum wahr werden lassen: Gleichgesinnte teilen sich die Kosten und die Pflege, die ein Pferd benötigt. Was es dabei zu bedenken gibt, wie Sie sich rechtlich absichern, wie mit Einnahmen z.B. aus angebotenen Reitstunden oder durch Zucht umgegangen wird und welche Vorteile sich bieten, verrät Ihnen unsere Autorin Judith Böhnke in diesem Beitrag.

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